Ein offenes Wort.

Die Zeiten ändern sich, darum zurück in die Zukunft.

Es gab einmal eine Zeit, wo ich noch einen gewissen Stolz verspürt habe, dass ich mich für den Beruf des Fotografen entschieden habe. Es war etwas Besonderes, Dinge zu sehen, die andere Menschen nicht so sahen, nicht wahrnahmen, oder die sie schlicht nicht interessierten. Das ist jetzt fast 20 Jahre her. Es war natürlich auch schon damals ein Wagnis, mit Fotos sein Geld zu verdienen. Dennoch konnte man noch halbwegs sicher sein, wenn man bereit war an sich zu arbeiten – Fleiß, Schweiß und Tränen zu akzeptieren und sein Talent laufen zu lassen – auch auf einem gewissen Level anzukommen und ein gutes Auskommen zu haben.

Heute, viele Jahre später, sieht das anders aus. NEIN, keine Angst ich werde jetzt nicht in das üblich Branchen-Gejammere einstimmen.

Halten wir fest, seit ca. 13 Jahren spiel ich in der Werbefotografie mit. Die Anfänge waren nicht leicht, da der Anspruch sehr hoch war. So musste ich mich gewaltig strecken und hatte das Glück, an den Aufgaben zu wachsen. Nicht zuletzt habe ich das meiner ersten Agentin zu verdanken, die mich wirklich behutsam und sehr schlau an den Markt herangeführt hat. Man kann das auch behutsames Aufbauen nennen, denn auch zu dieser Zeit schon kamen eine Menge Leute und gingen auch wieder.

Es folgten Jahre des Aufstiegs, zuerst waren es kleine Kampagnen- oder Katalog-Aufträge, bis hin zu den ersten Anzeigemotiven. Mit den Werbeagenturen als Kunden war es zu der Zeit eine gute Zusammenarbeit. Man wurde als Fachmann gesehen, weniger als Dienstleister. Sprich, man hörte dem Fotografen noch zu und nahm die Empfehlungen und Anmerkungen ernst und es ging nicht nur um Geld und Einsparungen. So ging die Reise weiter und auch die Aufträge wurden größer und größer. Allerdings konnte man spätestens 2010 auch eine sehr deutliche Veränderung am Markt wahrnehmen.

Stichwort Austauschbarkeit. Um es genau zu sagen: je mehr die Bilder in der Postproduktion geputzt und gelookt wurden, umso ähnlicher wurden wir Fotografen uns auch in der Bildsprache. Ganz besonders krass ist hier die Entwicklung in der Automobilfotografie, da sehe ich überhaupt keine Unterschiede mehr. Über die Jahre sind wir in der gehobenen Werbefotografie zu reinen Dienstleistern mutiert. Hinzu kommt, das FOTO ist in der Werbung nicht mehr die erste Wahl, die Print-Produktionen haben starke Konkurrenz bekommen. Der Markt schrumpft also stetig und das jedes Jahr weiter. Welche Auswirkungen das hat, merken wir ja allesamt, drüber möchte ich mich gar nicht mehr auslassen.

Fazit: Ich persönlich habe mich nie als reinen Dienstleister gesehen. Leider habe ich kein besseres Wort dafür, “Kunsthandwerker” im Sinne von Manufaktur trifft es vielleicht. So wie es im Moment in der Werbefotografie abgeht, ist das nicht mehr meins. Raus aus der beliebigen Austauschbarkeit, kann ich nur allen raten. Mein gesamtes Equipment zu veräußern ist da nur der erste Schritt, die gut geölte Fotomaschine wird ausrangiert. Diese Arbeitsweise mochte ich ehrlich gesagt noch nie und die DSLR-Kameras, egal von welchem Hersteller, sind noch dazu potthässlich.

Ab sofort werde ich die entschleunigte Fotografie zelebrieren: Weniger ist mehr, und von Hause aus mit 2 Rangfindern und 3 Festbrennweiten arbeiten. Mehr braucht es im Grunde nicht. Licht? Ja, gibt es da, wo die Sonne scheint 🙂. Das ist auf der einen Seite Reduktion, auf der anderen Seite die Besinnung auf das Wesentliche und bei der Herangehensweise entstehen auch nicht mehr so hohe Produktionskosten, aber wieder echte Bilder. Bis zum 1.1. 2017 werde ich auch mein Portfolio neu ausgerichtet haben.

Werbung gerne Mal, aber nur bei Wertschätzung und Akzeptanz der Arbeitsweise, ansonsten passt es eben nicht. Und ihr könnt euer “Geiz ist Geil” Konzept mit den anderen Verdächtigen weiter durchziehen.

Viel Spaß!

5 Comments

Andrea

Du sprichst mir aus der Seele. Aus genau diesen Gründen habe ich mich vor einigen Jahren bereits für den Totalausstieg entschieden.
Ich freue mich schon auf die neuen Arbeiten von dir!

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Christian Damm

Sehr gut nachvollziehbar.
Meine Knipserei wurde erst nach der Beschränkung auf das 1.4/35mm von Fuji zu Fotografie.
Ich nutze auch in speziellen Fällen das 2.0/18mm und das 2.0/90mm. Das 35mm ist jedoch mein Auge mit dem ich die Welt sehe.

Danke für den Beitrag
Christian

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